"Der Ausgangspunkt für die großartigsten Unternehmungen liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten."
- Demosthenes, griech. Redner
Virtuelle Unternehmen nach Baukastenprinzip
Virtuelle Unternehmen sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Unternehmen bzw. Unternehmern, die sich zu dieser Art der kooperativen Leistungserstellung zusammenfinden oder zusammengetan haben. Es existiert also ein Pool selbständiger Unternehmen bzw. Unternehmer, die ihr längerfristiges Interesse an bzw. ihre Bereitschaft zu einer „wie auch immer gearteten Zusammenarbeit“ erklären, aus dem dann – nach einem Baukastenprinzip – das virtuelle Unternehmen projekt- und produktbezogen zusammengesetzt wird.
Drei Formen der Zusammenarbeit
Grundsätzlich lässt sich die Zusammenarbeit ansonsten selbständiger Partner auf der Grundlage der oben aufgeführten Kriterien in drei Formen realisieren:
- Als planvoll und auf Dauer angelegte, zumeist auch formal geregelte Zusammenarbeit einer im Wesentlichen festen Gruppe von Unternehmern in einem klar umrissenen Geschäftsfeld zu im vorhinein geklärten Bedingungen
- als Kooperationsverbund, in dem ein zentraler Akteur für ein Netzwerk von Unternehmern zentral die Aufträge akquiriert, die Leistungserstellung durch Netzwerkpartner organisiert und koordiniert, und den Verbund nach außen vertritt und
- als Kooperation in Form zeitlich begrenzter Unternehmenspartnerschaften, in der ein Unternehmen gegenüber dem Kunden als zentraler, zumeist sogar einziger Ansprechpartner auftritt, und speziell für das abzuwickelnde Projekt Teil- oder Unteraufträge an andere, zuweilen auch bis dato ihm noch nicht bekannte Unternehmen weitergibt, um dem Kunden gegenüber die Gesamtleistung zu erbringen
Regelung der Geschäftsbeziehungen
Im Rahmen des Projektes stellt somit die formale Unternehmensstruktur eine erste, aber auch eine entscheidende Größe dar. Diese dokumentiert sich in der Rechtsform des virtuellen Unternehmens, der Art der Regelung der Geschäftsbeziehung zwischen den jeweiligen Partnern und der Organisation von Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten sowie der Projektkoordination.
Einsichtige Strukturen
So ist bei Kapitalgesellschaften in der Regel schon durch die Rechtsform die Rollenverteilung hinsichtlich der Entscheidungs-, Verfügungs- und Handlungsgewalt eindeutig geklärt, sind durch (formale) Verträge die Spielräume der beteiligten Partner bestimmt und durch die (auch von außen wahrnehmbare) Klärung von Zuständigkeiten Struktur und Ablauf eines Projektes für die beteiligten Partner wie auch die Kunden einsichtig. Doch gerade bei virtuellen Unternehmen ist eine derart einsichtige Struktur keineswegs vorauszusetzen.

