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„Am Ende steht das virtuelle Unternehmen nicht mehr als eigenständige Wirtschaftseinheit da, wie es heute noch die Regel ist, sondern wird sich im gemeinsamen Handeln mit seinen Partnern inmitten eines gewaltigen und sich ständig wandelnden Beziehungsgeflechtes bewegen.“
- Davidow/ Malone 1993

Unsere gesellschaftliche Entwicklung

Die letzten Jahrzehnte sind von vielfältigen Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Der sich vollziehende Wandel betrifft sowohl die Märkte als auch die soziodemografische Struktur sowie die gesellschaftlichen Wertorientierungen. Diese Veränderungen sind geprägt durch die fortschreitende Individualisierung, die Pluralisierung der Lebensstile und die freie Wahl der Lebensformen, den Strukturwandel in der Demographie, die Auflösung traditioneller Lebenszusammenhänge sowie die Veränderungen in Arbeitswelt und Freizeit. Alle diese fortschreitenden mittel- bis langfristigen Trends bedeuten eine enorme soziale Verunsicherung und kritische Lebensereignisse für viele Menschen.

Berufsbiografien gestalten

Im Zuge dieser Entwicklungen wünschen sich viele Beschäftigte, Arbeit und Leben besser miteinander vereinen zu können. Neben dem demografischen Wandel und der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen sind hier vor allem die hohen Ansprüche an individuelle Gestaltbarkeit der eigenen Biografie zu nennen. Schon heute sind viele Berufsbiografien durch Wechsel geprägt: Wechsel zwischen Arbeiten und Lernen, zwischen selbstständiger und abhängiger Arbeit, zwischen Arbeit und Familie und verschiedenen Orten.

Life-Work-Balance, Empowerment und Diversity

Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen immer mehr. Die Arbeit bestimmt die Lebensverhältnisse generell. Themen wie Life-Work-Balance, Empowerment und Diversity werden zunehmend diskutiert. Die Mitarbeiterzufriedenheit wird mit zur Haupttriebkraft bei guter Auftragsabwicklung. Durch starke Individualisierung erwächst die Problematik der Koordination und des Abgleichs unterschiedlicher Positionen und Bedürfnisse, um gemeinsame Zielsetzung erreichen zu können.

Arbeitsstrukturen statistisch

Im Zuge dieser wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen lösen sich auch alte Arbeitsstrukturen auf. So hat die Teilzeitbeschäftigung in den letzten Jahren gegenüber abhängiger Vollzeittätigkeit an Bedeutung gewonnen. Laut des Statistischen Bundesamtes gaben im Frühjahr 2004 7,2 Mio. abhängig Beschäftigte in Deutschland ihre Tätigkeit als Teilzeitbeschäftigung an, doppelt so viele wie im Jahr 1991. Damit stieg die Teilzeitquote der abhängig Beschäftigten gegenüber 1991 um neun Prozentpunkte auf gut 23 %. Die Zahl der abhängig Vollzeitbeschäftigten fiel im gleichen Zeitraum um 17 Prozentpunkte. Die klassische Regelarbeitszeit hat stark abgenommen, wohingegen die Arbeitszeiten, die an üblicherweise freien Tagen, außerhalb der gängigen Büroarbeitszeiten oder in zeitlich wechselnden Schichten anfallen, also Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit, zugenommen haben.(Statistisches Bundesamt 2005)

Folgen der Flexibilitätsanforderungen

Aus der Unternehmensverantwortung ist Individualverantwortung geworden: Der Einzelne wird für seinen Gelderwerb zunehmend allein verpflichtet. Sicherheiten für Beschäftigte werden abgebaut, da Unternehmen fürchten, nicht flexibel auf Marktanforderungen reagieren zu können. Individuen entwickeln sich immer mehr zu „Alleinkämpfern“ und spezialisieren sich. Dadurch entsteht die Schwierigkeit, den hohen Marktanforderungen allein genügen zu können. Durch die Flexibilitätsanforderung werden die Beschäftigten außerdem aus sozialen Netzwerken herausgerissen.

Möglichkeiten im „Global village“

Durch den zunehmenden Einsatz von IuK-Technologien wachsen internationale Staaten im „Global village“ per Internet zusammen: Scheinbar grenzen- und distanzlos überwindet moderne Kommunikation in kürzester Zeit räumliche Barrieren. Durch E-Mail- und Telefonverbindungen kann ein direkter Austausch von Informationen in alle Welt erfolgen, per Webcam finden z. B. Konferenzen mit Sichtkontakt über Telefon- oder Computerverbindungen statt. Die immer stärkere digitale Vernetzung impliziert einerseits Bündelung und Akkumulation von Wissen. Die Bedeutung von Wissen als Vorteil für einzelne Unternehmen verstärkt und verschärft damit den Wettbewerb. Andererseits machen Vernetzung und Infrastruktur virtuelle Unternehmenskooperationen erst möglich: Unsere Virtualisierungsidee konnte erst durch die schnellere Übertragung, aber auch mehr Kapazität, bessere Vernetzung, bessere Software zur Überwindung von Systembarrieren und räumlichen Distanzen entwickelt und umgesetzt werden.

Konkurrenz im „Global village“

Auf den Produkt- und Dienstleistungsmärkten ist ein Wandel von Anbieter- zu Verbrauchermärkten zu verzeichnen. Die durch das Internet entstandene Markttransparenz macht Produkte vergleichbar, Leistungs- und Kostenunterschiede werden ohne nennenswerten Aufwand transparent. Der Wettbewerb beschränkt sich zudem nicht mehr auf einzelne Regionen. Die so verstärkte weltweite Konkurrenz erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen. Hier gilt es, dem Kunden individuelle, auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Tendenziell kürzer werdende Produktlebenszyklen zwingen zudem Unternehmen dazu, immer neue Produkte auf den Markt zu bringen. Der Zeitraum, in dem Marktpotentiale ausgeschöpft werden können, wird dementsprechend kürzer. Durch zunehmende Produkt- und Verfahrensinnovationen sind Schnelligkeit und Flexibilität in der Zukunft kritische Erfolgsfaktoren.