"Untergangspropheten, die vom Pessimismus leben - und gar nicht schlecht - empfinden jede Art von Zuversicht zwangsläufig als Existenzbedrohung."
- Bob Hope, 29.05.1903 - 27.07.2003, engl. Schauspieler und Komödiant
Die Frage, was möglich gemacht werden muss, um positive Visionen, wie sie in den Szenarien abgebildet werden, Wirklichkeit werden zu lassen, bestimmt unser Handeln.
Prämissen für das Trendszenario
Virtuelle Unternehmen haben sich aus einer Reihe gravierender gesellschaftlicher Veränderungen und Trends heraus entwickelt, deren Auswirkungen in allen gesellschaftlichen Bereichen wieder zu finden sind. Gegenwärtig ist der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft in fortgeschrittenem Stadium zu beobachten sowie die Tertiärisierung der Wirtschaft.
Politische Rahmenbedingungen
Im Jahr 2015 ist die politische Situation in Deutschland nach wie vor von der Bemühung um Reformen geprägt und kann weitestgehend mit einem „Muddling Through“ beschrieben werden. Dabei besteht eine der großen Aufgaben im Umbau der Sozialsysteme. Finanzierungsmodelle von Rente und Gesundheit werden schrittweise verändert, hin zu mehr Eigenbeteiligung und sinkendem Anspruch für den Einzelnen bei gleichzeitiger Erhöhung des Rentenalters und der Beiträge. Auf die Agenda 2010 folgt eine Agenda 2020, und Politiker hangeln sich von Etappe zu Etappe, aus Angst davor, die Gesellschaft und damit verbunden auch die eigenen Institutionen, Ressorts und Befugnisse radikal erneuern zu müssen.
Der Staat und die Europapolitik
Der Staat versucht weiterhin, sich selbst von sozialen Leistungen und Funktionen z. B. in der Gesundheits- und Pflegeversorgung zu entbinden, ebenso wie die Kirchen ihr finanzielles Engagement drastisch reduzieren. Der Privatisierungstrend hat sich weiter fortgesetzt, was in staatlich subventionierten Bereichen wie beispielsweise Bildungseinrichtungen zu weiteren erheblichen Einschnitten führt. Europa ist weiterhin ein Vielstaatengebilde, welches sich in den letzten zehn Jahren weiter in Richtung Osteuropa ausgedehnt hat. Die Staatenunion verfügt über eigene Institutionen und mittlerweile auch Ämter, die die jedoch nach wie vor souveränen Einzelstaaten repräsentieren und ihrer gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung unterstehen. Diese Weiterführung der politischen Einheit hat zu einer stärker praktizierten Europapolitik geführt. Rechtlich hat sich der Bereich von Urheberrecht und Patentschutz infolge des zunehmenden Drucks und der Unübersichtlichkeit der Internetkriminalität weiter ausdifferenziert, was nicht nur eindeutige Rechtsicherheit bzgl. der Verwertung formaler Eigentumsrechte geschaffen hat, sondern zugleich einen kreativeren und sicheren Umgangs mit Ideenbildung und Forschung bewirkte.
Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt
Die Spaltung der Arbeitswelt hat sich im Zuge der zunehmenden Flexibilisierungsansprüche der Wirtschaft im weltweiten Standortwettbewerb und der fortschreitenden Mobilitätsansprüche der Unternehmen bzw. der Unternehmer und Manager an ihre Mitarbeiter fortgesetzt: Einer kleinen Zahl gut verdienender und sich selbst sozial absichernder Nutznießer ihrer Dispositionen – zumeist junge, sozial, familiär und auch wirtschaftlich ungebundene bzw. alt-etablierte Männer und (wenige) Frauen – steht eine immer größere Zahl von Menschen gegenüber, die aufgrund ihrer Kompetenzen und ihres Lernvermögens bzw. ihrer sozialen Einbettung und Verpflichtungen diese Flexibilität und Mobilität nicht aufbringen können oder wollen. Die Arbeitswelt erscheint ihnen wie ein Moloch, der zwar ihre gesamte Lebenswelt dominiert, auf den sie aber keinen Einfluss nehmen können.
Die neue Gruppe Selbstständiger
Der früher kennzeichnende „Mittelstand“, die Gruppe abhängig Beschäftigter oder kleiner Unternehmer, die wirtschaftlich stabil und sozial gesichert das Gros der Gesellschaft umfasst, ist so gut wie verschwunden. Dafür ist eine neue Gruppe Selbstständiger entstanden, die versucht, durch eigene Unternehmertätigkeit der so empfundenen Willkür des Arbeitsmarktes entgegenzutreten: Neben den Unternehmern aus Berufung und den Unternehmern qua Vererbung findet sich eine immer größere Zahl, die das Unternehmertum als Alternative zur Arbeitnehmerschaft verstehen, aber auch Unternehmer, die mangels Alternative die Selbstständigkeit versuchen.
Job-Hopping
Der schon vor über 20 Jahren propagierte Selbstunternehmer, auch Arbeitskraftunternehmer genannt, der seine Arbeitskraft als Ware versteht und vermarktet, ist zum Normalfall derjenigen geworden, die sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten und sich nicht nur von Job zu Job, von Beschäftigung zu Beschäftigung, von Einkommen A zu Einkommen B hangeln. Denn die Öffnung der Arbeitsmarktordnung hat die Erwerbsarbeit ihrer identitätsstiftenden Bedeutung für die Gesellschaft enthoben und auf ihre wirtschaftliche Funktion reduziert: Ein Produktionsfaktor, der Kosten verursacht, und – angesichts der zunehmenden Diskrepanz zwischen Vermögens- und Arbeitseinkünften aber immer weniger – Quelle von Kaufkraft ist. Konsequent wird Arbeitskraft deshalb von Unternehmen wie jede andere Ware auch nur noch bei Bedarf eingekauft, das früher amüsiert-bedauernd betrachtete Job-Hopping ist für Arbeitnehmer mittlerweile ein Muss.
Ausbau des Niedrig- und Leichtlohnsektors
Der forcierte Ausbau des Niedrig- und Leichtlohnsektors hat zusammen mit den staatlich subventionierten Arbeitsbeschaffungsprojekten zwar neue Beschäftigungsmöglichkeitenfür nicht- und gering qualifizierte Arbeitskräfte gebracht, der damit in Gang gesetzte Arbeitskostenwettbewerb innerhalb einer Branche aber gleichzeitig eine Lohndumping-Spirale geöffnet, die auch in Deutschland eine Gruppe der Working-Poor hat entstehen lassen.
Informations- und Kommunikationstechnologien
Veränderungen des Kommunikations- und Arbeitsmarktes sowie neue gesellschaftliche Trends haben die Weiterentwicklung des Internets in den Jahren bis 2015 beschleunigt. Unified Communication, Mobile Multimedia und Grid Computing als Schlagworte der Zeit um 2005 befinden sich zunehmend in der Anwendung. Auch sind die Komponenten der IuK-Technologien immer kleiner und damit portabler geworden, so dass eine zunehmende Integration in andere Geräte und Gegenstände des täglichen Gebrauchs („Smart Objects“) erfolgt.
Verfügbarkeit von Information und Wissen
Die Komponenten sind miteinandervernetzt und der Datenaustausch erfolgt in der Regel drahtlos. Dabei können enorme Datenmengen durch große Bandbreiten übertragen werden. Die IuKTechnologien sind bis 2015 nahezu allgegenwärtig geworden und versehen ihren Dienst immer unauffälliger oder gar unsichtbar. Dadurch ergibt sich eine Verfügbarkeit von Information und Wissen an jedem Ort, über jede Distanz und zu jeder Zeit. Komponenten der IuK-Technologien sind mittlerweile in der Lage, sich durch drahtlosen Datenaustausch und mittels Sensoren Informationen über ihre Umgebung zu beschaffen (Kontextsensitivität). Die Bereitstellung von Informationen und Funktionen für die Nutzerinnen und Nutzer erfolgt entsprechend ihrer Situation.
Life-Work-Balance
Bezogen auf die Wechselwirkung von Arbeits-, Lebens- und Privatsphäre werden „souveräne Balancierer“, denen die Verbindung unterschiedlicher Anforderungen gelingt und Überlastete, die von beiden Lebensbereichen bedrängt werden, einander gegenüberstehen. Ersteren ist es gelungen, eine gute Vereinbarung zwischen den unterschiedlichen Anforderungen des Familien- und Berufslebens her zu stellen. Ferner haben sie es geschafft, ihren eigenen Wünschen zu folgen, sich gegen Widerstände durch zu setzen und haben gelernt, mit der steigenden Komplexität in der Arbeitswelt um zu gehen. Bezogen auf die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben zählen die so genannten Balancierer oder auch „Patchworker“ zu den Profitierenden. Diese Gruppe von Menschen hat schon vor mehr als zehn Jahren ihre eigenen Lösungen für die Probleme in Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt gesucht und auch gefunden. Der Patchworker zeichnet sich dadurch aus, dass er über ausgezeichnete soziale und kommunikative Kompetenzen verfügt, die er sich durch seine häufig wechselnden Rollen, Funktionen und Jobs angeeignet hat. Seine Biografie ist durch zahlreiche Brüche gekennzeichnet, mit denen der Patchworker sehr souverän umgeht.
Die gezwängten Konzentrierten
Andererseits gibt es die „Gezwängten Konzentrierten“, die sich von den Anforderungen des Familien- und Berufslebens bedrängt und überlastet fühlen. Für diese Menschen klaffen die beiden Bereiche immer weiter auseinander. Der immer schnellervoranschreitende Wandel der High-Speed-Gesellschaft und der Druck am Arbeitsplatz führen bei den „Gezwängten Konzentrierten“ zu einem gehetzten Zeit- und Lebensgefühl. Sie sind mit der Verantwortung und dem ständigen Zeit- und Leistungsdruck überfordert. Sie wünschen sich mehr Zeit für die Gesundheit, den Partner, den Sport, die Familie und die Bildung und wissen nicht, wie sie diese Wünsche realisieren und den vielen Anforderungen gerecht werden können. Diese Gruppe reizt Leistungsgrenzen zu lange und zu intensiv aus und steht somit unter Dauerstress, was sich negativ auf ihre Life-Work-Balance auswirkt.
Gründung und Verbreitung virtueller Unternehmen
Im Jahr 2015 gibt es viele virtuelle Unternehmen und auch verwandte Unternehmensformen, und die Tendenz ist weiter steigend. Das virtuelle Unternehmen bietet dabei nicht nur einen hohen flexiblen Rahmen, sondern impliziert eine standortunabhängige, branchenübergreifende Arbeit mit breit gefächerter Produktpalette. Menschen mit hohen kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten fungieren in virtuellen Unternehmen als Broker. Sie übernehmen die Verknüpfungs- und Vermittlungsaufgaben, während sie Spezialisten mit unterschiedlichen Kompetenzprofilen auftragsbezogen zusammensuchen, um so die bestmögliche Geschäftsabwicklung zu vollziehen.
Vor dem Hintergrund der Internationalisierung und der immer komplexeren Ausdifferenzierung nach Kernkompetenzen bietet das virtuelle Unternehmen ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell, wobei die ausgesprochen schwierige rechtliche Situation und Fragen der lückenlosen Kommunikation und Vertrauensbildung nach wie vor Hemmschwellen darstellen.
Virtualität hält verstärkt Einzug
Das virtuelle Unternehmen hat bestehende klassische Unternehmensformen nicht ersetzt, ist aber als Modell der Unternehmensorganisation eine ernst zu nehmende Alternative. Mischformen mit unterschiedlicher Ausprägung der Virtualisierung setzen sich durch und Virtualität hält verstärkt Einzug in traditionelle Strukturen, auch in öffentliche Einrichtungen.
Branchen und Internationalisierung der Märkte
Durch moderne IuK-Technologien ist die Virtualisierung von Unternehmen überhaupt erst möglich geworden. In den westlichen Ländern hat sich der Wandel zur Dienstleistungsorientierung fortgesetzt. Kundenservice und Vertrieb haben noch stärker an Bedeutung gewonnen, während breite Produktionssegmente nach Osteuropa, Asien und Südamerika verlagert wurden.
2015 verteilen sich Jobs auf drei Bereiche
Im Jahr 2015 verteilen sich Jobs auf drei Tätigkeitsbereiche: Routinemäßige Produktionsdienste, kundenbezogene und symbolanalytische, (informationsgewinnende, analysierende, interpretierende und verwertende) Dienste. Letztere werden einen Großteil der hochqualifizierten Arbeit z. B. in der Forschung ausmachen, wobei es Analytiker geben wird, die Probleme identifizieren, Fachkräfte und ausdifferenzierte Spezialisten, die Probleme lösen können, und strategische Vermittler, deren Aufgabe in der Verknüpfung der Kernkompetenzen zu integrierten Gesamtkonzepten liegt.
Vertrieb und Verwaltung
Vertrieb und Verwaltung werden weiter zunehmend in Call Centern und Kundenbetreuungszentren geleistet. Die Virtualisierung als Modernisierungsprozess der Arbeits- und Unternehmensorganisation setzt sich ebenso vermehrt im Consulting-, Coaching- sowie im Forschungsbereich durch. Dem entsprechend häufen sich in diesen Branchen auch virtuelle Unternehmen.
Kompetenzen und Erwerbsbiographien
Die Gesellschaft hat sich in den letzten zehn Jahren weiter gespalten: In Deutschland herrscht ein deutlicher „Knowledge Divide“. Die Ausdifferenzierung wissensbasierter Arbeitsbereiche setzt vom einzelnen „Wissensarbeiter“ die kontinuierliche Weiterqualifizierung („Lifelong Learning“) im Bereich der fachlichen, aber auch sozialen und kommunikativen Kompetenzen voraus.
Das deutsche Bildungssystem
Das Aufgabenfeld von strategischen Mittelsmännern und Integratoren erfordert ein hohes Maß an sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Das deutsche Bildungssystem befindet sich ebenfalls in einer Umbruchsituation, in welcher sich Finanzierungsmodi und Verwaltungsstrukturen zunehmend reformieren und staatliche Einrichtungen sich auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. In Bildungseinrichtungen sind Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten die nötigen Kompetenzen bisher nur unzureichend vermittelt worden, um erfolgreich mit den neuen Anforderungen umgehen und selbstorganisiert, eigenverantwortlich und mit unternehmerischer Kreativität arbeiten zu können.
Der Kompetenzanspruch nimmt zu
Der Kompetenzanspruch an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nimmt durch Faktoren wie flexible Teamarbeit, flexibilisierte Arbeitsformen und Selbstorganisation, wachsende Bedeutung von IuK-Technologien, die sich in hohem Tempo verändert und verbessert, und Internationalisierung besonders zu. Gleichzeitig entstehen durch befristete und wechselnde Arbeitsverhältnisse „Patchwork“-Erwerbsbiographien, da Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich auf sich kontinuierlich verändernde Berufssituationen einstellen müssen.
Internationalisierung der Bildung
Virtuellen Unternehmen kommt die zunehmende Internationalisierung von Bildung zugute. Durch die internationale Angleichung von Bildungsabschlüssen und Qualifikationen wird zum einen Transparenz und zum anderen ein einheitlicher Abgleich von Qualitätsstandards im Bildungsbereich gewährleistet. Durch die Ausdehnung von Vernetzung sind Fähigkeiten wie „interkulturelle Kompetenz“ und „Kommunikationsfähigkeit“ Standard geworden. Das spezielle Personalweiterbildungsangebot in virtuellen Unternehmen konzentriert sich 2015 auf das „Lernen lehren“ und darauf, den Wissenstransfer in Form von offen zugänglichen „Knowledge Pools“ zu ermöglichen.
Gewinner und Verlierer
Die Gewinner einer solchen Entwicklung werden Akteure sein, die sich als flexible Innovatoren aus Wirtschaft und Politik erweisen. Den Individuen wird in besonderem Maße Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit abverlangt. Daraus resultiert in den westlichen Ländern eine Verstärkung des Gegensatzes zwischen arm und reich und damit unmittelbar zusammenhängend zwischen hochqualifizierten und bildungsfernen Gruppen.
Die Profitierenden
Als Profitierende können diejenigen bezeichnet werden, die der Entwicklung folgend von alten Strukturen zu flexiblen und virtualisierten Strukturen hinarbeiten, also den Innovationssprung zu modernen Arbeits- und Unternehmensorganisationsformen schaffen. Dies erfordert Mut und Risikobereitschaft. Weiterhin werden diejenigen sich durchsetzen, die die Balance zwischen Arbeit- und Privatsphäre erreichen und sich gegen bestehende Widerstände und Modernisierungsbremsen durchsetzen können
und somit Willen und Durchsetzungskraft beweisen.
Die erfolgreichen Unternehmen
Bei virtuellen Unternehmen werden die Unternehmungen erfolgreich sein, die gute Integrationsansätze aufweisen und flexibel genug sind, sich den sich verändernden Marktanforderungen anpassen zu können und sich von Unübersichtlichkeit und Veränderungen nicht abschrecken lassen. Sie kombinieren erfolgreich unterschiedliche Kompetenzen und wandeln diese in neue Produkte und Dienstleistungen um. Eine Vernetzung von Partnern, die sich gegenseitig ein Stützwerk mit einer Vielfalt von Kompetenzen und Angeboten bieten, wird als Erfolgsmodell virtueller Unternehmen vorherrschen.
Die Verlierer
Bildungsferne werden deshalb in potenzierter Form zu Verlierern, da sie z. B. durch die zunehmende Bedeutung der IuK-Technologien und mangelnde Qualifizierungschancen fast vollständig von Innovationsprozessen abgeschnitten werden. 2015 spielen Aspekte der gesellschaftlichen Integration eine noch dramatischere Rolle, sowohl durch die Überalterung der europäischen Gesellschaft als auch durch die ansteigende Migration in und nach Europa.
Feingefühl für ein funktionierendes Mittelmaß
Starre Unternehmensstrukturen mit einseitiger Branchenausrichtung und fehlenden Kooperationspartnern stellen eine Organisationsform dar, die sich schlecht auf die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen 2015 einstellen kann. Andererseits werden auch solche Innovatoren, die einen Antriebsmotor mit zu rapidem Veränderungsdrang darstellen, sodass sie den gesellschaftlichen und institutionellen Rahmen überfordern oder sprengen, ausgebremst. Es erfordert auch in Zukunft ein Feingefühl für ein funktionierendes Mittelmaß im Rahmen der „gesellschaftlichen Spielregeln“ und äußerlichen Möglichkeiten, was für erfolgreiche, innovative und kreative „Macher“ auch in Zukunft eine eher negative Voraussetzung bedeutet.
Teamorientierung undTeamfähigkeit
Ferner wird die Teamorientierung und -fähigkeit wichtiger, und zu extreme Einzelgängerkönnen im Zeitalter der Vernetzung weder konkurrenzfähig noch profitabel bleiben. Virtuelle Unternehmen werden dann keinen Erfolg haben, wenn sie versuchen, erstens inhaltlich zuviel selbst zu bedienen und zweitens keine Kommunikationsebene zwischen den Partnern finden, u. a. weil kein gemeinsames Geschäftsverständnis aufgebaut wird und damit eventuell eine Konkurrenzsituation innerhalb der eigenen Unternehmung entsteht. Der Vorteil eines virtuellen Unternehmensverbundes besteht in der flexiblen und unterschiedlichen Vernetzung und sollte auch als Wettbewerbsstrategie verstanden und umgesetzt werden. Ein virtuelles Unternehmen, welches nicht in der Lage ist, sich in der Partnerwahl und branchenspezifisch individuell anzupassen, wird es schwer haben, sich auf dem Markt gegenüber flexibleren Organisationen zu behaupten.

